Ist Plastik schlecht für das Klima?

Warum wir anfangen sollten, Plastik als Ressource zu begreifen
Ist Plastik schlecht für das Klima?

Kunststoff (ugs. Plastik) vermüllt unsere Umwelt und ist eines der größten Probleme für Ökosysteme weltweit. Das an sich ist keine neue Erkenntnis, aber Plastik hat darüber hinaus auch einen großen, häufig unbeachteten Einfluss auf Treibhausgasemissionen und damit auch auf das Klima und soziale Gerechtigkeit. In diesem Blogartikel möchten wir uns den Daten und Fakten widmen und euch auf eine Reise in die Welt des Plastiks mitnehmen. 

Das Problem in Zahlen 

Die weltweite Kunststoffproduktion verursachte allein im Jahr 2015 ca. 1,8 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente (CO2e), das sind ca. 5% des weltweiten Ausstoßes an Treibhausgasen. Das ist in etwa das 2,5-fache des gesamtdeutschen Ausstoßes des selben Jahres. Schätzungen gehen davon aus, dass sich die Produktion von Kunststoff in den nächsten 20 Jahren verdoppeln und bis 2050 vervierfachen wird. Sollte das passieren, würde die Kunststoffindustrie schon bald zu den größten CO2-Emittenten der Welt zählen. Diese Schätzungen sind zudem eher konservatig, da es kaum möglich ist, verlässliche Daten über den tatsächlichen Ausstoß an CO2 zu erheben. Das liegt beispielsweise daran, dass der Austritt von Gas bei der Produktion sowie dadurch tatsächlich verursachte Umweltschäden nur geschätzt werden können. 


Warum steigt die Produktion weiterhin so deutlich an? 

Einer der Hauptgründe, den die Heinrich-Böll-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem BUND gefunden hat, ist der Anstieg der Fördermenge an billigem Fracking-Gas aus den USA. Für dieses bietet die Kunststoffindustrie einen dankbaren Abnehmer. Diese Situation hat sich durch den Angriffskrieg auf die Ukraine zwar verändert, jedoch wird das diese Entwicklung vermutlich nicht langfristig beeinflussen. 

Was für die Fracking- und die Kunststoffunternehmen eine lukrative Zusammenarbeit darstellt, ist für die Umwelt und das Klima leider ein riesiges Problem. Um einen Eindruck davon zu gewinnen, wie lukrativ dieses Geschäft ist, lohnt es sich auf die Investitionen der petrochemischen Industrie (z.B. Kunststoffproduzenten) in Fracking-Gas zu schauen. Seit 2010 liegen diese insgesamt bei über 200 Mrd. Euro und das mit steigender Tendenz. Allein deutsche Gummi- und Kunststoffhersteller setzen jährlich ungefähr 83 Mrd. Euro um. Diese Zahlen sind von 2019, dürften jedoch seitdem trotz oder gerade durch die Pandemie sowie den Angriffskrieg auf die Ukraine deutlich gestiegen sein. Wichtig ist hierbei zu verstehen, dass der Kunststoffmarkt nicht nachfragegetrieben ist. Konkret bedeutet das, dass die Hauptmotivation der Hersteller nicht daher kommt, dass die Nachfrage nach Kunststoffen hoch ist, sondern daher, dass sie eine Anwendung für ihre fossilen Rohstoffe brauchten und immer noch brauchen. Ein individueller Konsumverzicht wird das Problem deshalb nur bedingt lösen können - und ist gleichzeitig trotzdem ein erster wichtiger Schritt. 

Wie kommt der Treibhausgasausstoß durch die Kunststoffproduktion zustande?

Wie bereits erwähnt, werden die meisten Kunststoffprodukte mit Energie aus fossilen Energieträgern produziert. In Verbindung mit einem großen Energiebedarf bei der Produktion sorgt das für die Freisetzung einer großen Menge an Treibhausgasen. Ein bedeutender Teil der Emissionen in Form von Methan wird darüber hinaus bei der Förderung und dem Transport ausgestoßen. Darüber hinaus werden für die Anlagen und Pipelines, die zur Produktion notwendig sind, große Mengen an Wald gerodet, Ökosysteme zerstört, und Menschen aus Regionen vertrieben in denen sie über Jahrhunderte gelebt haben, was sich zusätzlich negativ auf die Bilanz von Kunststoffen auswirkt. 

Doch nicht nur die Herstellung von Kunststoffen wirkt sich negativ auf Umwelt, Klima und Menschen aus, denn auch der Lebenszyklus von Plastik stellt ein großes Problem dar. Die weltweite Recyclingquote von Kunststoff liegt bei nicht einmal 10%. Für ausgedienten Kunststoff gibt es meistens nur drei Szenarien: 

1. Es wird im sogenannten Waste-to-Energy-Verfahren verbrannt und zur Energieproduktion verwendet. Bei der Verbrennung entstehen große Mengen Treibhausgase.

2. Es landet in der Umwelt und zersetzt sich über Jahrzehnte oder Jahrhunderte. Die Höhe der Emissionen, die dadurch entstehen, ist bisher unbekannt.

3. Es liegt in der Umwelt und wird von Pflanzen und Tieren aufgenommen und stört Ökosysteme massiv. Diese können dadurch weniger CO2 aufnehmen oder sterben sogar. Auch hier ist derzeit unklar, wie hoch der verursachte Schaden tatsächlich ist. 

Der andere Teil der Geschichte 

Hier würde die Geschichte des schlechten Kunststoffs normalerweise enden, jedoch finden wir es wichtig, noch einen anderen Aspekt zu beleuchten. Denn, obwohl Kunststoffe viele Probleme mit sich bringen, haben sie gegenüber anderen Materialien einige Vorteile. So schneiden z.B. Verpackungen aus Kunststoffen trotz der genannten Emissionen in Bezug auf ihre Ökobilanz häufig besser ab als Vergleichsprodukte aus Papier oder anderen Materialien. Die Widerstandsfähigkeit, Flexibilität und Hygiene, die Kunststoffe bieten mit anderen Materialien zu erreichen, erfordert oft mehr Material, Energie und/oder Chemikalien. Dadurch ist es möglich, dass Kunststoffe in einigen Anwendungen doch Emissionen einsparen. Das ist vor allem der Fall, wenn recycelter Kunststoff eingesetzt wird. Allgemeine Aussagen darüber lassen sich allerdings nur schwer treffen, da dies darauf ankommt wo die Materialien herkommen, wie hoch der Recyclinganteil ist und wie oft sie recycelt werden können

Long Story Short 

Die Auswirkungen der Kunststoffproduktion auf das Weltklima sind heute schon riesig, aber könnten sich in Zukunft noch einmal drastisch vergrößern. Hierbei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Kunststoffe auch eine Auswirkung auf weitreichende Umwelt- und Gerechtigkeitsaspekte haben. Kunststoff darf nicht weiterhin als Abfall, sondern muss vielmehr als Rohstoff betrachtet werden. Wir als WILDPLASTIC Team wollen ein Teil dieser Veränderung sein und mit unseren Produkten einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Welt mit weniger wildem Plastik leisten. 

Quellen

https://www.sciencedaily.com/releases/2019/04/190415144004.htm 
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/37187/umfrage/der-weltweite-co2-ausstoss-seit-1751/
https://www.boell.de/sites/default/files/plastikatlas_2019_3._auflage.pdf?dimension1=ds_plastikatlas
https://advances.sciencemag.org/content/3/7/e1700782

 


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